Betriebsgebäude
(zusammengestellt vom Architekturbüro Reinberg)
Die neuen Gebäude stehen quer zur Talrichtung und bilden gemeinsam mit den Berghängen den Raum für die große Wasserfläche (Biotop). Die Zufahrt erfolgt am westlichen Rand der Wasserfläche, sodass das Wasser und der Bürobau (zweifach durch Spiegelung) während der gesamten Zufahrt erlebt werden können. Die Wasserfläche wurde in den südlichen Bereich gelegt und wird mit dem Bürobau abgeschlossen. Werkstätten, Lager und Lieferverkehr schließen im Norden und für die Besucher nicht direkt einsehbar an das Bürogebäude an.
Das Bürogebäude liegt direkt am bestehenden Teich. Es ist eine Holz-Glas-Konstruktion (Brettsperrholz) mit einer massiven sonnenbeschienenen Speicherwand im Inneren. Eine verglaste Südzone dient der Erschließung, der Kommunikation und dem Erleben des Wassers, des Wetters und der Sonne. Der anschließende Bereich ist nur diffus belichtet (direktes Licht aus dem Norden und über Jalousien steuerbares Licht aus dem Süden und bietet damit optimale Bedingungen für den Bürobetrieb).
Der Zugang erfolgt an der westlichen Schmalseite, direkt am Wasser. Über den Empfangsbereich gelangt man durch die Speicherwand in die Südzone, die im Kundenbereich als zweigeschossige Beratungszone mit einer ergänzenden Terrasse über dem Wasser dient.
Innerbetriebliches Kommunikationszentrum ist eine Kommunikationsinsel in der Mitte des Erdgeschosses (Info, Imbiss, Kontakte). Von hier erfolgt auch eine wettergeschützte Verbindung zur Werkstatt und zum Lager. Die Werkstatt steht und arbeitet parallel zum Büro und bildet mit diesem gemeinsam einen von den Kunden uneingesehenen internen „Bürohof“.
Die Südzone ist durch die große Verglasung und den fließenden Übergang zwischen „Kommunikationsbereich innen“ und „Erlebnisbereich außen“ charakterisiert. Die Glaswand wird im Stiegenbereich durch eine blauviolette, spiegelnde Kollektorfläche unterbrochen.
Ein Steg über das Wasser schafft Verbindung zum Wasser und im weiteren zum Rundgang über die Wasserfläche. Das Bürogebäude ist so positioniert, dass der bestehende alte Schwimmteich erhalten bleiben kann und optisch als Teil der gesamten Wasserfläche erscheint. Die Terrasse am alten Teich ist beschattet und für Beratungen im Hochsommer besonders wertvoll.
Die PKW-Stellplätze entlang der Zufahrtsstraße sind mit Sträuchern und Pflanzen durchsetzt und überdeckt. Die Besucher können über Stege und einen Rundweg die unterschiedlichen Biotopbereiche kennen lernen.
Der interne Betriebs- und Lieferverkehr ist vom Kundenbereich völlig getrennt. Sattelschlepper können an der Rampe direkt neben der Straße von hinten oder seitlich beschickt werden. Das Flugdach über dem Lager und Rampenbereich dient gleichzeitig als Witterungsschutz für Parkierung der Firmenfahrzeuge sowie Ladetätigkeit. Von Osten ist der Lagerbereich bis zur Werkstatt niveaugleich zu befahren.
Hoch wärmegedämmte Außenwände und beste Verglasungen (u= 0,7 W/m²K) gewährleisten geringste Verluste. Die Zuluft wird über Erdkanäle zugeführt (vorgekühlt bzw. vorgewärmt), kontrolliert eingebracht (ständig optimale Luftqualität) und über eine Wärmerückgewinnungsanlage abgeführt. Die Zuluft wird in die Büros eingeblasen und von dort in den Wintergarten weitergeführt und über die Sanitärräume abgesaugt. Die Wintersonne wird passiv über die Südverglasungen aufgenommen und in der Gebäudemasse gespeichert bzw. über das Lüftungsgerät (Wärmetauscher) auf die Zuluft übertragen. Über Warmwasserkollektoren in der Fassade wird der Warmwasserbedarf für Werkstätten und Büro gedeckt. Diese Kollektoranlage und das Gebäude wurden so dimensioniert, dass der Rest-Wärmebedarf genau dem Energiegehalt der Biomasse der Holzabfälle des Gärtnereibetriebes entspricht. Dieser Restwärmebedarf wird durch eine Biomasseanlage gedeckt.
Der sommerliche Überhitzungsschutz ist durch die gute Wärmedämmung, die komplette Außenverschattung aller Südverglasungen, die Zuluftkühlung im Erdreich (Luftrohr unter dem See) und die automatische Nachtlüftung gewährleistet, zusätzliche Kühlleistungen können über eine „Betonkernaktivierung“ (Brunnenwasser wird in Rohren durch die Betonmasse geleitet) eingebracht werden. Photovoltaikelemente sind optional möglich.
Der bestehende Teich zeigt den seit langer Zeit eingewachsenen Zustand. Die große Wasserfläche demonstriert den großen Schwimmbereich sowie zwischen den Stegen unterschiedliche Konzepte der Bepflanzung. Im östlichen Bereich besteht ein über Holzplattformen erschlossener Erlebnisbereich.
Im südöstlichen Bereich des Grundstücks wird eine Pflanzenkläranlage für die gesamte Schmutzwasserreinigung situiert. Die Dachwässer münden am Grundstück in Sickerflächen, deren bepflanzte Randgestaltung in das Freiraumkonzept eingebunden ist.
- Bauherr
Biotop Landschaftsgestaltung GmbH, Weidling
- Architekt
Dipl.-Ing. Georg W. Reinberg
- Statik
Werkraum ZT OEG Wien
- Simulation und Energiekonzept
Patrick Jung, Köln
- Haustechnik
BPS-Engineering, Wien
- Wasserkonzept
Biotop Landschaftsgestaltung GmbH, Weidling
- Freiraumplanung
DI Anna Detzlhofer, Wien
- Finanzierung
Raiffeisenbank Korneuburg
- Firmen
Baumeister: Fa. Mörtinger GmbH, Wien
Zimmermann: Fa. Unger, Mischendorf
Schosser Stahl/Glasfassade: Raditsch Metallbau GmbH, Purbach
Schlosser konstruktiver Stahlbau: Gottfried Brix GmbH, Günselsdorf
- Planung
2001/2002
- Ausführung
Juni 2002 bis April 2003
- Grundstücksgröße
8.434 m²
- Überbaute Fläche
752 m² Büro und Werkstatt, 755 m² Lager und Freibereiche überdacht
- Nettonutzfläche Büro
419 m²
- Nettonutzfläche Werkstätten
165 m²
- Überdachte Fläche
755 m²
- Umbauter Raum
2.579 m³ (Büro und Werkstatt), 1.193 m³ (Lager)
- Baumaterialien
Brettsperrholz (Wände, Decken, Dach). Beton-Massivspeicherwand (Mittelmauer), Steinwolle Wärmedämmung (20 cm Wand, 30 cm Dach), Oberfläche Wand: offene Holzschalung, Dach: Gras auf Bitumenbahnen. Holzfenster, Holztüren, Lehmputze mit Wandheizung.
Überdachter Lager und Freibereich Stahlbau mit Trapezblechdeckung.
- Swimming-Teich
Wasserfläche: 950 m²
Regenerationsbereich: 240 m²
Pflanzenfilter: 230 m²
Stegflächen: 115 m²
Anzahl Pumpen: 2
Anzahl Biotop-Carbonatoren: 6